Ungleicher Kampf

 

Das Licht schimmerte matt auf der schwarzen Rüstung des Kriegers. Stolz stand er da, leicht gelangweilt auf seinen Speer gestützt und blickte seinen Gegner aus müden Augen entgegen.

Der goldene Ritter war angespannt. Er spürte jeden einzelnen Muskel seines Körpers und der schweiß rann ihm über das hübsche Gesicht und klebte seine hellblonden Locken an seine Stirn.

"Du weißt, dass meine Macht in Vollmondnächten am stärksten ist!", rief er und seine Stimme klang ihm schrill und hysterisch in den Ohren, "Warum auch sonst hätte ich  dich heute Nacht angegriffen?!"

"Und was meinst du", entgegnete der schwarze Krieger ruhig und unterdrückte ein Gähnen, "habe ich dich in einer Vollmondnacht auf meine Burg gelassen?"

Dem goldenen Ritter blieb da Herz beinahe stehen und er starrte gebannt auf die leicht schimmernde Rüstung es Kriegsherrn.

 

Hinter dem breiten, von schwarzen Platten Rücken des bullig wirkenden Mabbes trat eine Frau hervor. Sie war groß, in ein schwarzes Gewandt gekleidet, blass und sehr dünn. Ihr schwarzen, leicht gewellten Haare fielen ihren Rücken herab und zwischen ihren Schulterblättern ragten zwei gewaltige schwarze Schwingen hervor.

Neben dem goldenen Ritter stand ein weiterer Engel. Die Gesichter der beiden ähnelten einander nur schien von dem Gesicht des Engels ein Leuchten auszugehen. Seine Schwingen waren golden und er trug ein schneeweißes Tuch um die Hüfte geschlungen. Goldene Sandalen zierten seine Füße, während die Frau barfuß war.

 

Keiner der Kämpfer bemerkte all dies. Die Engel waren für die Augen Sterblicher unsichtbar, es sei denn, sie erschienen ihren Schützlingen.

 

Der Junge in der goldenen Rüstung blinzelte angestrengt. Der Angstschweiß lief ihm in die Augen. Angespannt befeuchtete er sich die schön geschwungenen Lippen.

Der schwarze Krieger krazte sich im vernarbten Gesicht und wartete.

 

"Du hast ihm geholfen", bemerkte der goldene Engel missbiligend. "Ich bin die Böse von uns beiden, ich darf das.", entgegnete die Frau mit den schwarzen Schwingen ruhig und betrachtete die ungleichen Gegner.

In diesem Moment nahm sich der Jüngling ein Herz und stürmte auf seinen Feind zu. Dieser schwang mit einer raschen Bewegung, die man ihm mit seinem träge wirkendem örper nicht zugetraut hätte, seinen Speer.

Die schwarze Klinge, von dunkler Hexerei gestärkt, durchbrach mit Leichtigkeit den goldenen Brustpanzer und bohrte sich tief in des Ritters Hers.

Schlaff und lebloss, sackte der in Gold gekleidete Schönling in sich zusammen.

 

Der schöne Engel zog beleidigt die Nase kraus. "Du kannst nicht immer gewinnen", lächelte die Frau und beide verschwanden.